Autoren-Interview: Fritz Frey
14. Juli 2010 1 Kommentar
Zum Inhalt des Buches:
Fritz Frey betrachtet die Entwicklung Europas unter den Gesichtspunkten der Individualisierung und der Emanzipation des Menschen. Er untersucht die notwendigen Grundlagen für ein gesundes soziales Zusammenleben freier und mündiger Menschen, sowie die Bedingungen, die zum größtmöglichen wirtschaftlichen Wohlergehen innerhalb staatlicher Gebilde unabdingbar sind.
Dass dabei Individualität und Egoismus ebenso unterschieden werden müssen wie Nationalität und Nationalismus, zeigt sich in der Analyse des Neoliberalismus und des Neokonservativismus, die in ihrer jeweiligen Form die Globalisierung, bzw. die Welthegemonie anstreben. Dass sie dabei weder das menschliche Individuum, noch die historisch gewachsene Völkergemeinschaft respektieren, zeigt sich in der Geschichte des 20. und des eben begonnenen 21. Jahrhunderts. Die unrealistischen Polit- und Wirtschaftstheorien dieser Denkschulen haben die Menschheit mit der Finanzkrise im Herbst 2008 in die schlimmste Finanzkrise seit 1929 geführt.
Das Buch bleibt nicht bei der Fehleranalyse stehen, sondern zeigt wirklich realisierbare Auswege auf, die über die Erkenntnis gesellschaftlicher Zusammenhänge gefunden werden können.
Interview:
Herr Frey, Sie haben vor der Veröffentlichung des Buches “Europa zwischen Ost und West” eine Trilogie veröffentlicht, die demnächst neu aufgelegt wird:
“Die Informationslücke”, “Der entscheidende Zeit-Not-wendige Schritt” und “Wut, Chaos und Zerstörung”.
Welche Zusammenhänge bestehen zwischen diesen Büchern?
Die von Ihnen erwähnte Trilogie analysiert die Denkweise unserer Gesellschaft präzise und zeigt die Denkfehler auf, die seit dem Philosophen Kant, die öffentliche Meinung dogmatisch prägen. Jedes dieser drei Bücher bleibt aber nicht bei der Analyse stehen, denn diese führt in die Empfindung einer Ausweglosigkeit der Entwicklung. Nein, die analysierten Fakten werden zusammengeschaut und es werden Wege zu einem Denken aufgezeigt, das wirklich neu ist und echt in eine Gesellschaft der Zukunft führt, in der Depression und Flucht in die Drogen, angefangen bei der Konsumsucht und endend bei der physischen Zerstörung des Menschen durch harte Drogen, von innen heraus überwunden werden können.
Das normative Denken, das dem Menschen durch die sogenannten Ethik-Kommissionen übergestülpt werden soll, schwächt diesen in seiner individuellen Denkkraft derart, dass er, innerlich passiv, sich einfach der political-correctness ergibt und keine individuelle Ethik entwickeln kann. So aber fühlt er sich entmündigt und entmutigt und aus den Tiefen seiner unbewussten Psyche drängen verdrängte Kräfte ins Bewusstsein, die sich als gewaltige Aggressionen zur Selbst- und/ oder Weltzerstörung melden. Sei dies im Rausch oder in der Aggression oder in beidem.
Das ist die wirkliche Problematik unserer Zeit.
Das Buch “Europa zwischen Ost und West” zeigt in der Konsequenz auf, wohin diese Problematik die Menschheit geführt hat und in welche Abgründe wir in Zukunft schauen werden müssen, falls es nicht gelingt, eine Individual-Ethik in der Gesellschaft zu verwurzeln.
Das Buch heißt aber “Europa zwischen Ost und West”. Sie sprechen die ganze Menschheit an und beschränken sich dann im Titel auf Europa.
Wenn wir die historische Entwicklung anschauen, so hat es sich seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts gezeigt, dass sich eine Polarität zwischen Ost und West aufbaut. Der praktische Pragmatismus des Anglo-Amerikanismus steht der Urgeistbezogenheit und damit der Bezogenheit der Asiaten zum Kosmos gegenüber. Da zeigte sich im Osten eine Menschenliebe, eine Solidarität unter den Menschen die dem Selbstbewusstsein der angloamerikanischen Mentalität diametral gegenübersteht. Warum hat der Kommunismus in Russland, das dem östlichen Einfluss offen ist, Fuß fassen können, warum dominiert er heute noch in China? Es ist das tiefe Ideal der Brüderlichkeit, das im kollektiven Unbewussten dieser Völker wirkt. Dieses wurde durch die Ideologie des Sozialismus-Kommunismus missbraucht. Daher muss der Sozialismus-Kommunismus scheitern, weil der die Brüderlichkeit erzwingen will. Brüderlichkeit ohne Freiheit ist nicht denkbar.
Im Gegensatz dazu hat sich im Westen aus dem praktischen Pragmatismus ein grenzenloser Egoismus entwickelt. Resultat: Die Unersättlichkeit des Egoismus hat die Finanzkrise ausgelöst.
Die Sehnsucht nach der Brüderlichkeit, dem Bruder- und Schwestersein, ist jedem Menschen eingeschrieben. Ebenso das Streben nach der eigenen freien persönlichen Entwicklung. Es zeigt sich im Westen, dass wenn der Egoismus grenzenlos wird, sich eine herrschende Elite entwickelt, welche die Freiheit der Beherrschten ebenso unterdrückt, wie dies im Osten durch die erzwungene Brüderlichkeit des Kommunismus geschah und immer noch geschieht. Hier beißen sich der Kapitalismus und der Kommunismus in den Schwanz. Beide Denkrichtungen sind zwei Pole desselben Irrtums. Nämlich, dass der Mensch instrumentalisiert werden kann, sei dies in dieser oder jener Richtung. Das geht aber nicht, weil der Mensch sich ständig weiter zum mündigen Individuum hin entwickeln wird. Das ist ein Naturgesetz. Dem kann man sich nicht widersetzen.
Daher muss Europa diese Denkweisen der Brüderlichkeit und des freiheitlich-egoistischen Pragmatismus durchschauen lernen und ein gesellschaftliches Konzept entwickeln, das beiden berechtigten Tendenzen Rechnung trägt.
Ist das nicht eine Illusion?
Es ist dann eine Illusion, wenn man dem Menschen den Weg zur Mündigkeit nicht zutraut. Es entsteht aber ein Teufelskreis, wenn man dies nicht tut. Die herrschende Elite hat Angst vor dem freien und mündigen Menschen. Daher werden Ethik-Kommissionen und Think-Thanks eingesetzt, welche dem Menschen das selbständige Denken abnehmen sollen. Dieser beginnt sich zu wehren, es erfolgt Repression in verschiedensten Stärkegraden. Es wird eigenwilligen Arbeitskräften gekündigt, selbständig denkenden Professoren werden Lehrbewilligungen entzogen, staatlich gelenkte Meinungsbildung durch die Lehrpläne in der Schule findet statt, ebenso wie Meinungsbildung durch Interessen gelenkte Medien (Finanzen!) usw. usw. Wenn aber eine Gesellschaft ihre Menschen nicht zu freien und unabhängigen Individuen erziehen will, dann ist dies letztlich ihr Untergang und der wird schmerzhaft sein.
Haben wir den Mut, freie Menschen zu erziehen, die in sich die Ideale des Zusammenlebens in Brüderlichkeit und Freiheit tragen, dann kann sich eine gesunde Gesellschaft der Zukunft entwickeln. Das ist keine Illusion, denn es entspricht der Natur des Menschen, aus individueller Einsicht an der Gesellschaft mitzugestalten und dadurch sich selber zu konkretisieren.
Herr Frey, ich bedanke mich für dieses kurze Gespräch.
Interview: Rahel Huber (freie Journalistin)







Wunderbar, dass es noch Menschen gibt, die sich solche Gedanken machen.
Ich habe diese von Herrn Frey erwähnten Bücher alle gelesen und kann nur alle anderen Menschen motivieren, sich mit dieser Materie auseinanderzusetzen.
Mit einem herzlichen Gruss
Sibylla Breitenstein