Autoren-Interview: Lutz Kreutzer

Lutz Kreutzer: GOTT WÜRFELT DOCH

Zum Inhalt des Buches:
Das Leben des Walter Landes ist von Bildung und Wohlstand geprägt. Ein Ereignis stellt alles auf den Kopf: Walters Freundin Anna verschwindet spurlos, und plötzlich taucht ein Doppelgänger auf. Mit ihm begibt sich Walter auf eine erschreckende Irrfahrt in die Vergangenheit. Dann wird Walter angeklagt, sich selbst heimtückisch ermordet zu haben.
Während seiner Odyssee von Deutschland bis in die Nazi-Fluchtburg Eldorado erkennt Walter schließlich, dass in seinem Leben nichts mehr gilt: Wahrheiten entpuppen sich als Lügen, Sicherheiten als Trugschluss. Walter muss sich einem mächtigen Gegner stellen, um dessen perfiden Plan zu vereiteln.

Interview:

Wie kommt ein Naturwissenschaftler dazu, Romane zu schreiben, Herr Kreutzer?

Wo soll ich bloß anfangen? Naturwissenschaften an sich sind ja schon spannend. Für viele Leute aber erscheinen Themen mit wissenschaftlichem Hintergrund unzugänglich oder sie sind schlicht als kompliziert verschrien. Ich sehe es so: Naturwissenschaftliche Zusammenhänge sind nicht kompliziert, sie sind komplex. Sie bieten die Grundlage für das Verständnis unserer modernen Welt. Sie sind ein Schlüssel zu vielen gesellschaftsrelevanten Vorgängen, die kaum jemand mehr für sich erschließen kann. Das nutzen mächtige Menschen, die über dieses Wissen verfügen, immer wieder aus.

Sind Ihre Themen nicht eher etwas für Fachbücher?

Keineswegs. Wenn man als Autor ein komplexes Thema für eine größere Leserschaft erschließen will, dann gibt es für mich ein paar Regeln. Die Verständlichkeit muss das Maß aller Dinge sein. Meine Herangehensweise ist durch eine vorher festgelegte Dramaturgie gekennzeichnet. Die Handlung muss am Ende glasklar, die Sprache einfach gehalten sein. Werden Begriffe eingeführt, die nicht allgemein verständlich aber für die Geschichte wichtig sind, lasse ich diese durch einen Protagonisten einer anderen Figur erläutern. Das darf alles natürlich nicht schulmeisterhaft klingen, ansonsten steigt der Leser aus. Darüber hinaus müssen die Zusammenhänge an jeder Stelle für den Leser nachvollziehbar sein.

Ist ein solcher Stoff  nicht eher trocken?

Die Spannung wird durch die Tatsache der unerwarteten Wendungen erzielt, wobei der rote Faden niemals reißen darf. Nur das Wesentliche findet Eingang in ein Buch, Unwesentliches für den Fortgang der Geschichte wird gestrichen oder erst gar nicht geschrieben. Die handelnde Person wird mit ihren Ecken und Kanten so eingeführt, dass der Leser sich mit ihr identifizieren kann. Dann wird der Protagonist vor ein existenzielles Problem gestellt, dass ihn durch die Geschichte treibt. Die Themen sind außerdem immer so gewählt, dass sie einen Großteil der Gesellschaft ohnehin bewegen. Mir geht es ja darum, Hintergründe aufzudecken und Zusammenhänge zu entblößen, sie also im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar zu machen.

Woher kam die Idee, über wissenschaftliche Themen Romane zu schreiben?

Lutz Kreutzer - 300dpi

Schreiben ist ja eigentlich ein Handwerk, das man lernen kann. Ich habe neben meinem Interesse für Chemie und Physik seit Abiturzeiten in einer Lokalredaktion für eine große deutsche Regionalzeitung gearbeitet und das Schreiben gelernt. Dort hat man mir den Blick für das Wesentliche beigebracht. Auch, wenn es um Bildmotive ging. Literatur ist ja wie ein guter Diavortrag: Man muss Bilder im Kopf des Lesers erzeugen, der mit seiner Phantasie die Bewegung hinzufügt, und schon entsteht Kino im Kopf. Während meines Studiums und später auch als Geologe habe ich immer wieder als freier Autor gearbeitet, zumeist über wissenschaftsnahe Themen. Als Wissenschaftler habe ich abenteuerliche Forschungsreisen hinter mir, Geschichten über Geschichten. Schließlich hat mir meine journalistische Ausbildung geholfen, als ich später vom Wissenschaftsministerium in Wien angeheuert wurde, eine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit zu gründen. Seither habe ich einen guten Einblick in Hintergründe, die nicht einfach zu recherchieren sind. Und die wollte ich allgemeinverständlich erschließen und zugleich spannend in einem eigenständigen Werk erzählen.

Sind Ihre Bücher autobiographisch geprägt?

Nein, das würde ich nicht sagen. Meine Protagonisten sind frei erfunden. Ich nehme die Themen und Charaktere mehr aus meiner Beobachtung. Beobachten und Menschen scharf zu zeichnen ist eher mein Stil. Natürlich ist es besser über einen Heuschober zu schreiben, wenn man schon mal gemäht hat. Das trifft aber für Verbrechen und Verbrecher nicht unbedingt zu. Wichtig ist ja, an einer Geschichte das Konfliktpotenzial zu erkennen und passend dazu glaubwürdige Charaktere zu entwerfen, die ihre Merkmale bis zum Schluss beibehalten, ohne dabei die Möglichkeit einer Entwicklung beraubt zu werden. Aber immer wieder orientiere ich mich an der Wirklichkeit, an bereits Geschehenem. Wenn dabei ab und zu etwas selbst Erlebtes einfließt, ist das ja bereichernd. Es darf jedoch nicht bestimmend sein.

Interview: Rahel Huber (freie Journalistin)

WebSite Lutz Kreutzer

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